Flori(an) und die Schokoladenfabrik

Wir treffen uns am Ufer von Graz’ pulsierender Ader, der Mur. Sie scheint, sowohl flussauf als auch –abwärts, den Geist der neuen Macher-Generation vollends zu transportieren. An ihrem Rand stehen zwei junge Männer, die versucht sind, sich in den Strom zu stürzen und auch einmal gegen ihn zu schwimmen. Keine Angst, wir gehen nicht ins Wasser … viel eher in ein Grazer Kult-Café.

Schon während des Bestellens – „zwei große Cappuccino, bitte“ – ist unser Gespräch voll im Gange und unser neuestes Spritzweinjugend-Mitglied liefert schon in den ersten Minuten reichlich (Süß-)Stoff für diese Zeilen. Man darf sich das jetzt nicht vorstellen wie ein Frage-Antwort-Spiel, eher wie einen philosophischen Pitch mit zwei Querdenkern, die sich sehr schnell sehr sympathisch sind.

„Es ist Zeit, dass sich was dreht.“ Diese Lyrics von Grönemeyer kommen mir sofort in den Sinn, wenn der Obersteirer über sein Projekt spricht, für das er sein laufendes Studium ruhig gestellt hat. „Ich war immer schon technisch interessiert, deswegen auch die HTL-Matura. Allerdings musste es für mich einfach kreativer werden, deshalb damals die Entscheidung, Architektur zu studieren und beides zu vereinen. Ich laufe jetzt nicht vor ihr davon, allerdings sehe ich im Moment in diesem Bereich keinen Platz für mich.“

Er erzählt mir von seiner Zeit in Wien und von der Idee, sich irgendwann selbstständig zu machen, die ihn schon vor einigen Jahren nicht mehr losgelassen hat. „Ich war kurz davor mich mit dem Bauen von Longboards selbstständig zu machen und später wollte ich dann als Fotograf durchstarten, aber ich bin froh, dass ich jetzt das mache. In „sugarfree savory“ steckt einfach am meisten von mir selbst.“

Gemeinsam mit der Konditormeisterin Johanna Glaser will der 25-Jährige „eine echte Alternative bieten“, wenn es um den süßen Genuss geht. Schokoladegeil sind wir doch fast alle und gerade deshalb könnte „sugarfree savory“ für alle Naschkatzen bzw. solche, die es noch werden wollen und für all jene, denen es schwer fällt aus gesundheitlichen oder ästhetischen Gründen zu verzichten, einen Blick, Klick und Biss wert sein. Die beiden stellen zuckerfreie und ballaststoffreiche Pralinen und Schokoladen her. Ja, da schaut’s, ha? Ich weiß, klingt ein wenig nach Werbegag, aber der Zuckeraustausch durch eine Zutat, die aus Mais gewonnen wird (und gleichzeitig die Ballaststoffe liefert), und eine Prise Stevia machen das Unmögliche möglich. Der sichere Tod für den inneren Schweinehund, denn der muss in Zukunft wohl nicht mehr überwunden werden.

Seine Geschichte klingt natürlich ein wenig nach Wunderwuzzi – Architektur, Fotografie, Longboards und jetzt das. Auch ich hab zuerst mich und dann ihn gefragt, was er für Pillen (bestimmt zuckerfreie und ballaststoffreiche) nimmt, um das alles unter einen Hut zu bringen. „Mag schon sein, dass ich vielseitig bin, aber für „sugarfree savory“ leb ich jetzt einfach. Man muss selbst in gewisser Weise sein Projekt sein. (Der Philosoph lässt grüßen) Gesunde Ernährung war für mich nebenbei schon immer ein Thema, Kochen und Backen sowieso.“

Anfang November eröffnen sie ihre Patisserie in der Grabenstraße 28 in Graz, später soll ein Online-Shop für die süßen Köstlichkeiten dazu kommen. Der Schritt in die Selbstständigkeit birgt immer auch ein Risiko, das der Obersteirer nicht scheut. „Jetzt ist einfach die richtige Zeit für das Risiko. Irgendjemand hat einmal gesagt: ,Wennst in Oasch gehst, dann bitte vor 30.’ Wir sind einfach an den Punkt gekommen, wo es sich auszahlt, in den Markt einzusteigen.“

Im Moment läuft noch eine Reward-Based-Crowdfunding-Kampagne, um ein wenig Kapital zu lukrieren. Man kann das Projekt also online unterstützen und bekommt eine Gegenleistung dafür. Von 9 € (eine Tafel Schokolade) bis 3.000 € (drei Jahre lang jeden Monat die neusten Kreationen frei Haus) hat man alle Möglichkeiten. Zehn Möglichkeiten hat man zukünftig bei der Wahl der Produkte von „sugarfree savory“. Gelauncht werden fünf Sorten Pralinen und noch verschiedene Sorten von Tafelschokoladen, die nicht nur in der Grabenstraße 28 hergestellt, sondern auch dort vertrieben werden.

„Ich weiß, dass ich mit der Idee im falschen Land bin. Der Zielmarkt für solche Produkte ist eindeutig Amerika. Das klingt jetzt wieder nach so einer Selfmade-Story, aber es ist die Wahrheit. Ich habe eben viel mehr ein Ziel vor Augen als eine Route, denn der Weg dorthin ist schlichtweg nicht immer planbar.“

Vom Wunderwuzzi zum Millionär, man würde es ihm wünschen.

 

Sein Name ist Florian Orthaber. Er ist jetzt Teil der Spritzweinjugend.

 

Kontakt:

Crowdfunding-Kampagne

sugarfree savory auf Facebook

Website – coming soon!

Florian Orthaber auf Facebook

 

 

 

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