Der Fressgalerist

Ich könnte irgendein Journalist für ein Kochmagazin sein, der sich für eine kreative Schaffensphase ein Café im Stadtpark gewählt hat und jetzt zwischen Touristen und Geschäftsleuten irgendwelche Rezepte googelt. Man könnte auch irgendeinen Film über irgendeinen Kochmagazin-Journalisten drehen, der gerade irgendwelche Rezepte im Stadtpark googelt. Die kitschig-klischeehafte Herbststimmung würde sich für ein seichtes Filmintro anbieten. Trifft aber alles nicht zu und mit seichter Unterhaltung hat das, worüber wir gleich sprechen werden, nichts zu tun. Daran können auch die ersten braunen Blätter nichts ändern, die sich lästigerweise immer den Weg in mein Wasserglas (kein Spritzwein!) suchen.

Während das neueste Mitglied der Spritzweinjugend vor unserem Gespräch noch kurz geschäftlich telefoniert, bleibt mir ein letzter Augenblick, mir seine Kreation einer „Goldbrasse mit Pfirsich-Gin-Flavour“ durchzulesen bzw. mir das perfekt inszenierte Foto dazu anzuschauen. „70% der Leute, die auf meinen Blog klicken, interessieren sich nur für die Fotos. Der Rest dann auch wirklich für die Rezepte.“ Eines der ersten Dinge, die ich über die Arbeit des 22-Jährigen erfahren werde.

Wie gesagt, mit seichter Unterhaltung hat der Blogger-Alltag unseres jungen Grazers nichts zu tun. Monatelange Arbeit und auch einiges an Geld stecken in einem Projekt, das sich in der Szene einen Namen gemacht hat. „Ich wollte vor ca. 1 ½ Jahren einfach Menschen an meinen Kreationen teilhaben lassen, indem ich Fotos von den Gerichten auf meine private Facebook-Seite gestellt habe. Später kam dann eine eigene Facebook-Page und irgendwann hat es so zu boomen begonnen, da musste eine Homepage her.“

Durchschnittlich 30.000 Aufrufe – Tendenz steigend – kann der Sous Chef eines Grazer Szenelokals mittlerweile für seine Beiträge auf fressgalerie.net verzeichnen. Ein Erfolg, den er wie begründet? „Ich glaube, dass die Jungen heutzutage nicht mehr in Kochbüchern blättern wollen. Sie möchten ein möglichst prägnantes Rezept mit ansprechendem Foto in möglichst kurzer Zeit erreichen können.“ Schön und gut, aber wie er es schafft, in einer Szene zu überleben, in der die Blogs wie Schwammerl aus dem Boden schießen, will ich genauer wissen. „Vielleicht liegt’s ein bisschen daran, dass ich ein Mann bin und Männer in der Domäne selten bis gar nicht anzutreffen sind. Außerdem bin ich gelernter Koch, weiß was ich tue und bringe einiges an Fachwissen mit.“ Nach der LAP und einer Zwischenstation in einem gutbäuerlichen Restaurant kocht der 22-Jährige derzeit für ein Lokal, das man nicht nur für die Gerichte, sondern auch für den grandiosen Schlossbergblick, besuchen würde.

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Er hat sich innerhalb eines Jahres vom Jungkoch zum stellvertretenden Küchenchef hochgearbeitet und danach den umgekehrten Weg gewählt und seinen Beruf zum Hobby gemacht. „Mittlerweile arbeite ich mit namhaften Unternehmen zusammen und kreiere Gerichte mit ihren Produkten. Ein wichtiger Partner für mich ist mein guter Freund Christoph Zotter, der mir exzellentes Fleisch liefert und im Gegenzug Rezepte von mir erhält.“ Er erzählt mir von einem speziellen „Kalbs-Dry-Age-Burger“ und während mir schon das Wasser im Mund zusammenläuft, muss ich mich einbremsen und doch kritisch hinterfragen, welcher Student zum Küchenteufel solche Rezepte nachkochen soll. „Genau diese Reaktion hab ich oft erfahren. Die Leute meinen: ,Es ist so cool, was du machst, aber nix für uns Studenten.’ Und genau da hab ich jetzt mit meiner neuen Rubrik ‚Studentenfutter’ angesetzt. Die Gerichte sind wirklich einfach und schnell zu machen und ich verwende für die Rezepte nur Zutaten, die man zu 70% immer zuhause hat. Oft kommen so einfache Gerichte wie z.B. ein schokoladiges Bananendessert mit nur zwei Zutaten am besten an.“

Für sein näheres Umfeld war der Schritt in die Gastronomie zu Beginn nicht ganz nachvollziehbar. „Sie haben nur gemeint: ,Wos mocht der Bua? Geht in die Gastro …’“ Jetzt, nach seiner Küchenkarriere, dem gelungenen Einstieg in die Welt der Food-Blogger und sogar einem Fernsehbeitrag über ihn, sind natürlich alle hellauf begeistert und mächtig stolz auf ihn. Nichtsdestotrotz hat er noch von einigen Seiten mit Gegenwind zu kämpfen. „Vor allem als Junger wird es einem gern schwer gemacht, werden einem Steine in den Weg gelegt. Manche Geschäftsleute denken sich: ,Der Bua is 22, den zieh’ ma jetzt übern Tisch.’ Man muss aufpassen und sich seine Stellung wirklich hart erarbeiten.“

Genau das ist der Spirit der Spritzweinjugend, den unser neuester Zugang perfekt verkörpert. Er schafft es, mit der „Fressgalerie“ auch bei Küchentotalausfällen wie mir Interesse für die Rezepte und vor allem deren Selbsterprobung zu wecken.

 

Sein Name ist Thomas Repič. Er ist jetzt Teil der Spritzweinjugend.

 

Kontakt:

Die Fressgalerie

Thomas Repič auf Facebook

Die Fressgalerie auf Facebook

 

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