Go ‚Back‘ Yourself!

In der Regel gibt man sich beim Begrüßen die Hand. Sie gibt mir nach dem Öffnen der Tür den Mixer in die Hand. So in etwa kann man sich meinen ersten Face-to-Face-Kontakt mit unserem neuesten Spritzweinjugend-Mitglied vorstellen. „Ich hab schon alles vorbereitet und du wirst jetzt noch die Creme machen.“ Ach, werd ich das? … Ich werde. Für sie ist das Zubereiten von Cupcakes, wie sie selbst sagt, „ein echter Ausgleich zum Alltag“, für mich (nach meinem „Ritt“ auf einem Westernpferd) die zweitgrößte Prüfung seit es die Spritzweinjugend gibt. Mit Mixer in der einen und Rührschüssel in der anderen Hand fühlt man(n) sich plötzlich wahnsinnig ungeschickt. Immerhin ist das mit den Messangaben nicht so genau. „Nimm einfach so viel oder wenig Zucker, wie du meinst.“ Das gefällt mir. Auch die nächsten Schritte gehen überraschend leicht von der Hand. Hätte ich zurzeit eine Freundin, hätte sie es bis jetzt wahrscheinlich nach kurzer Zeit abgelehnt, von mir bekocht bzw. bebacken zu werden. Nachdem nun aber auch das Aufspritzen der Creme einigermaßen geglückt ist, würde ich mir so etwas schon zutrauen. Darüber schmunzelt auch die 24-jährige Grazerin, die meine ersten zögerlichen Rührversuche mit nicht allzu strengem Blick verfolgt hat. „Ich glaube, dass die Menschen in gewisser Hinsicht mehr Selbstvertrauen brauchen, wenn es ums Backen geht. Das kann wirklich jeder und genau das will ich zeigen.“

Mit ihrem Blog „Jule’s Kitchen“ versucht die gebürtige Obersteirerin seit März dieses Jahres mit einfachen, aber raffinierten Rezepten das Backen vom „Oma-Image“ zu befreien. Apropos Oma: Mit dem Kreieren süßer Köstlichkeiten ist sie bereits als Kind in der Bäckerei ihrer Großeltern in Berührung gekommen. „Bei uns hat es zuhause immer etwas Süßes gegeben. Da bin ich dann schon als kleines Dirndl dazu gekommen, überhaupt an Weihnachten. Ich hab das irgendwie vererbt bekommen, diese Liebe zum Backen.“

Seit dem Frühling teilt sie diese „Liebe“ mit einer ständig wachsenden Community. „Mein erster Beitrag, der ‚Kärntner Reindling’ hat gleich voll eingeschlagen. Es gab so viele Rückmeldungen und Fragen nach neuen Rezepten, was mich anfangs ehrlich gesagt ein bisschen überfordert hat. Nichtsdestotrotz hat es unglaublich Spaß gemacht und mittlerweile sind wir bei etwa 80 Rezepten auf meiner Seite.“ Nach Kategorien sortiert finden sich dort völlig unterschiedliche bebilderte Backanleitungen. Hell yeah, auch ein „Rezept für Männer“ ist dabei!

Ich bin beeindruckt vom Geist der angehenden Krankenschwester, die einen Großteil ihrer Freizeit „opfert“, um (mehrmals) wöchentlich neue Rezepte online zu stellen. Mich interessiert, wie sie es schafft, in einer völlig überfrachteten Bloggerdomäne trotzdem Erfolg zu haben. „Was mich von anderen Blogs abhebt, ist vielleicht der persönliche Touch in meinen Anleitungen. Ich schau, dass sich die herzliche, freundliche Schiene bis zum letzten Satz durchzieht, denn an trockenen ‚Jetzt machen Sie und tun Sie …’-Anleitungen hat keiner Spaß und Interesse.“

Ich kann bestätigen, dass sie es mit der persönlichen Note schafft, den Leser für sich und ihre Rezepte zu gewinnen. Es kommt nicht selten vor, dass sich in dem einen oder anderen Howto eine Geschichte über den Anlass der Rezeptidee versteckt. Eine Sachertorte für den Schwager oder eben die Frage eines guten Freundes nach einem idiotensicheren Männerrezept.

Geld verdient sie mit ihrem Blog keines, aber „das war auch nie das Ziel“, wie sie betont. „Es ging und geht mir nicht darum etwas zu verdienen. Auch wenn das jetzt kitschig klingt, aber mich freut es, wenn ich Menschen eine Freude machen kann oder sie durch mich anfangen zu backen. Oft schreiben mir Leute auch unabhängig von meinen Rezepten und fragen mich nach Tipps.“ Nicht nach Tipps, aber nach der Bereitschaft für eine eigene Rubrik auf meigraz.at wurde sie vergangenen August gefragt. Auf der Seite rund um die steirische Murmetropole veröffentlicht sie seitdem weitere Rezepte und testet außerdem Grazer Restaurants. „Beim Flanieren durch die Stadt bleib ich ab und zu stehen, geh in irgendein Restaurant und schreib dann darüber. Auch Standln am Jako fallen in meinen Testbereich.“

Da möchte ich natürlich wissen, in welchem Berufsfeld sie sich in Zukunft sieht. Hauptberufliche Bloggerin, Konditorin oder doch Restaurantkritikerin? Sie lacht.

„Solange es mir Spaß macht, wird es ‚Jules’s Kitchen’ weiterhin geben, aber ich möchte auf alle Fälle als Krankenschwester arbeiten. Nichtsdestotrotz habe ich einen Traum und der dreht sich um ein kleines Kaffee, wo’s dann natürlich auch Mehlspeisen von mir gibt.“ Na dann, süße Träume.

Ihr Name ist Julia Maier. Sie ist jetzt Teil der Spritzweinjugend.

 

Kontakt:

Jule’s Kitchen

Ab Anfang Dezember wartet, im wahrsten Sinne des Wortes, ein Gustostückerl auf euch:
Der Jule’s Kitchen Adventkalender – jeden Tag lang ein Rezept oder eine „süße“ Geschenkidee bis zum 24. Dezember. Rein(sc)hauen!

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