Old but Gold and Sold: Die Vintage-Girls

Scheinwerferartige Lampen, montiert an der hohen Altbaudecke, setzen die Kleidungsstücke auf schlichten Metallständern in Szene und machen sie so zu gelb-rot-grün-karierten Farbklecksen vor den nackten weißen Wänden.
Zwei Dinge haben die Mäntel, Lederjacken, Jeanshemden und Accessoires alle gemeinsam: Sie sind über 20 Jahre alt und wurden allesamt von drei Wahl-Grazerinnen per Hand ausgesucht, die sich mit ihrem Projekt Dogdays of Summer dem Kampf gegen die Fast-Fashion-Bewegung verschrieben haben. Im Grazer Volks- bzw. Hipstermund sind die drei als Vintage-Girls bekannt und verstehen sich selbst als Datingportal für Mode – Vintage-Mode, um genau zu sein. „Wir bringen Menschen mit Kleidungsstücken zusammen, die sie selbst vielleicht niemals gefunden hätten.

Seit dem Herbst 2014 fungieren unsere neuesten Spritzweinjugend-Mitglieder – damals noch zu zweit – schon als Vermittlerinnen zwischen Second-Hand-Kleidung und vorwiegend jungen Kunden, die auf den modetechnischen Spuren ihrer Elterngeneration wandern. Die Klassiker unter den Modesünden (?) von damals, Glockenhosen und Rüschenärmel, habe ich sowohl im Online-Shop als auch im Pop-up-Store noch nicht entdeckt. Dafür aber eine blau-pinke Trainingsweste, wie sie – laut Erzählungen meiner Mutter – auch meinem Vater gehört haben könnte. Dabei sind Expeditionen von Eltern und Großeltern in dunkle Kleiderschrankecken nur eine Möglichkeit, wie die Stücke ihren Weg zu den drei jungen Frauen finden. „Wir bekommen unsere Kleidung auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Wir stöbern auf Märkten und in Antiquitätenläden oder holen sie auf Wunsch auch privat bei Leuten ab. Wenn wir verreisen, packen wir unsere Koffer nur halbvoll und kommen dann meist vollbepackt mit neuen Stücken nach Hause.“

Dogdays-Onlineshop:

Eine Reise nach Berlin war es, die die beiden FH-Studentinnen Clarissa und Diana Anfang 2014 überhaupt erst auf die Idee einer eigenen Shop-Gründung gebracht hat. Wie für so vieles, das in Graz junge Herzen höher schlagen lässt, ist die deutsche Metropole auch für die Gründung von Dogdays of Summer wesentlicher Impulsgeber. „Wir beide waren völlig geflasht von der Szene in Berlin. Wieder zuhause haben wir dann begonnen über ein eigenes Projekt nachzudenken, Sachen dafür zu kaufen und den Online-Shop zu programmieren.“ Nach dem Launch im September 2014 hatten die Informationsdesign-Studentinnen schnell eine Community für ihre Kleidungsstücke gefunden und die ersten Bestellungen ließen nicht lange auf sich warten. Grund genug für Clarissa und Diana ihr Projekt Anfang 2016 zu vergrößern. Johanna, 24, macht seit Februar das Vintage-Girl-Trio komplett. „Wir kommen eigentlich alle aus unterschiedlichen Richtungen, haben aber dennoch ein gleiches Ziel. Ich bin eher in der Modewelt zuhause, Clarissa und Diana kommen aus dem Grafik- bzw. Filmbereich. Wir ergänzen uns super“, so die gebürtige Südsteirerin und Absolventin des Modekollegs Ortwein.
Ihre Erfahrung im Mode-Einzelhandel war ein enormer Vorteil bei Umsetzung des Pop-up-Stores in der Kaiserfeldgasse, den die drei in den letzten beiden Monaten des Jahres 2016 führen durften. Die Räumlichkeiten, in denen wir jetzt auch unser Gespräch führen, werden in Zukunft wieder anderweitig verwendet werden. War es das mit Dogdays of Summer als Offline-Store? „Im Moment können wir uns nicht vorstellen, dauerhaft ein Geschäft zu betreiben. Neben dem Studium wäre das auch zeitlich gar nicht machbar. Allerdings gibt es Überlegungen für 2017 und Dogdays könnte wieder mal in der Innenstadt aufpoppen.“

Gut und (vor allem) schön, aber was treibt junge Frauen zwischen 21 und 24 im Wegwerf-Zeitalter an, sich für einen bewussteren Umgang mit Mode einzusetzen? „Ich hab diese Einstellung schon als Kind von meinen Eltern mitbekommen“, so Clarissa, „irgendwann bin ich dann mit Diana häufiger auf Märkte gegangen und so ist langsam unser ganz persönlicher Zugang zu dem Thema entstanden. Außerdem ist es sehr unwahrscheinlich, dass man Second-Hand-Kleidung doppelt findet und ich trag einfach gern Einzelstücke.“ Für Johanna hat das Umdenken in ihrer Zeit am Modekolleg begonnen. „Ich hab in meiner Ausbildung viel über die Herstellung von Kleidung und die Verarbeitung verschiedener Stoffe gelernt. Da fängt man an darüber nachzudenken, ob kaufen, wegwerfen, kaufen, wegwerfen wirklich der richtige Weg ist.“

Privat tragen sie fast ausschließlich Second-Hand und ernähren sich bewusst, teilweise sogar vegan. Vor mir sitzen drei zufrieden wirkende, top-gestylte Frauen, die hochgradig professionell einen Online-Shop betreiben, der eine leistbare Alternative zur Fast-Fashion-Bewegung darstellt. Graz kann stolz auf sie sein.

 

Ihre Namen sind Clarissa Kober, Johanna Kohlenberger und Diana Ranegger. Sie sind jetzt Teil der Spritzweinjugend.

 

Kontakt:

Dogdays of Summer – Shop

Dogdays of Summer auf Facebook

Dogdays of Summer auf Instagram

 

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