Ein Stich mit Herz

Graz im Februar ist nichts, was man in einem Reiseprospekt als Touristenmagnet anbieten sollte. Graz im Februar ist grau und kalt. Vom Dach des Uhrturms scheint es bis auf den Hauptplatz zu tropfen und die braune Mur fließt beleidigt vor sich hin. Da sind die feuerroten Haare unseres neuen Spritzweinjugend-Mitglieds ein willkommener Farbklecks in der regnerischen Innenstadtszenerie. Farbkleckse (und zwar solche unter der Haut) sind auch der Grund, warum wir uns in der altehrwürdigen Hofbäckerei in der Grazer Hofgasse treffen. Zwei Stockwerke über diesem rustikalen Traditionsbetrieb entsteht mit Hall of Mirrors das Tattoostudio der gebürtigen Obersteirerin. Die Stadt bunter zu machen gelingt ihr also nicht nur für mich durch ihre Erscheinung an faden Februartagen, sondern zukünftig für alle Tattoowilligen durch die wohl beliebteste Form der Körperkunst.

Schon früh war der 26-Jährigen klar, dass sie etwas Kreatives zu ihrem Beruf machen möchte. „Vor einigen Jahren, als mein Freund tätowiert wurde, ist auch bei mir der Funke übergesprungen. Ich hab gewusst: Irgendwann musst du auch so etwas Künstlerisches machen. Allerdings wusste ich damals noch nicht, in welche Richtung es genau gehen soll.“ Geworden ist es dann erst einmal die Ausbildung zur Kindergärtnerin. Neben ihrer Arbeit im Kindergarten absolvierte sie schließlich die Ausbildung zur Tätowiererin, die sie 2015 mit der Meisterprüfung abgeschlossen hat. Augenzwinkernd könnte man meinen, die Arbeitsbedingungen hätten sich im Vergleich zu ihrem alten Beruf nicht wirklich verändert. Wo früher Kinder auf Stühlen gelacht, geweint oder gejammert haben, sitzen jetzt Erwachsene zitternd vor Schmerz oder grinsend vor Freude über das, was da an dem von ihnen favorisierten Körperteil gerade entsteht. Aber auch ohne Augenzwinkern findet die 26-jährige Wahl-Grazerin Parallelen zwischen den Jobs. „Du musst als Tätowiererin natürlich einerseits gut zeichnen können und kreativ sein, aber auch mit Menschen gut umgehen können. Das ist das, was ich immer schon gern gemacht habe. Früher mit den Kindern und in Kürze mit den Kunden. Das Soziale hab ich einfach in mir.“ Man merkt der feschen Jungunternehmerin an, dass sie sich auf ihre künftige Aufgabe freut. Unter dem Künstlernamen Lina Maro will sie ab dem 11. Februar Tattoos im Neo-Traditional-Style aber auch kleinere Tätowierungen an bzw. auf den Mann und die Frau bringen.

Internationale Erfahrung, die sie durch sogenanntes Guest Spotting (Gasttätowieren in einem anderen Studio) in Stuttgart oder Zürich sammeln konnte, will sie in ihr Grazer Studio einfließen lassen. Zwei wesentliche Gründe nennt mir die rothaarige Powerfrau als Antwort auf die Frage, warum sich ihr Studio von anderen abheben kann. „Die Location wurde mit dem zweiten Stock absichtlich versteckt gehalten. So entsteht eine Art Wohlfühl-Atmosphäre, denn ich möchte nicht, dass alles so steril wirkt und die Kunden sich fühlen, als würden sie in einer Auslage sitzen. Außerdem arbeite ich allein im Studio und nehme mir bei den Terminen wirklich Zeit.“

Ich muss gestehen, dass man bei ihren Erzählungen ständig darüber nachdenken muss, ob man sich nicht (wieder) tätowieren lassen soll. Allerdings muss ich all die Linien, Schriftzüge und Lebensweisheiten, die mir als mögliche Motive durch den Kopf schwirren, für einen Moment beiseitelassen und nach der Namensherkunft von Hall of Mirrors fragen. „Um ehrlich zu sein, ist das ein Songtitel von den Distillers, der mich seit meiner Jugend begleitet. Heute hör ich ihn nicht mehr so oft, aber irgendwie gehört er zu mir. Außerdem ist es für den Tattoo Artist das schönste Gefühl, wenn der Kunde in den Spiegel schaut und zum ersten Mal sein neues Tattoo bestaunen kann.“ Man würde der jungen Meisterin wünschen, dass sie diese Spiegel-Momente bald täglich erleben kann, denn im Gespräch mit ihr wird deutlich, wie viel Zeit und Herzblut in dem Projekt steckt. „Ich bin vielen Leuten so unendlich dankbar. Neben meinem Freund Florian (regelmäßige Spritzweinjugend-Leser kennen ihn hoffentlich von hier) und meinem Bruder haben Menschen mitgeholfen, mit denen ich im ersten Moment überhaupt nicht gerechnet hätte. So konnten wir das Studio innerhalb eines Monats (!) realisieren.“ Mit der Eröffnung am 11. Februar sind die Planungen allerdings noch nicht abgeschlossen. „Ganz nach dem Motto ‚tattoos, arts & crafts’ sollen künstlerische Projekte auch über Tattoos hinausgehen. In Zukunft soll das Tätowieren von Ledertaschen umgesetzt werden, aber das steckt noch in den Kinderschuhen.“

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Der Löwe als Wappentier und Logo von Hall of Mirrors ist nicht etwa ihr Sternzeichen, sondern viel mehr eine Art Krafttier für die 26-Jährige. „Er symbolisiert für mich Kraft, Treue und Vertrauenswürdigkeit.“ Sie symbolisiert für mich Lebenslust, Kampfgeist und Zielstrebigkeit. Ich bin mir sicher: Unser neues Spritzweinjugend-Mitglied sticht ihre Kunden zukünftig nicht nur mit geübten Händen, sondern auch mit Herz.

 

Ihr Name ist Lisa Robausch. Sie ist jetzt Teil der Spritzweinjugend.

 

Info:
Am 11. Februar lädt Hall of Mirrors zur Eröffnungsfeier in die Hofgasse 6 mit Sekt, Brötchen und Musik. Gäste haben die Möglichkeit Wanna-dos auszusuchen und Lina Maro persönlich kennenzulernen -> hier geht’s zur Veranstaltung!

 

Kontakt:

Hall of Mirrors by Lina Maro
Hofgasse 6
8010 Graz

Hall of Mirrors – Website

Hall of Mirrors auf Facebook

Hall of Mirrors auf Instagram

 

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