Die Rückkehr der Stammesväter

Man könnte fast meinen, im Herzen von Graz hat nicht nur der Frühling (Anmerkung: Frisch war’s trotzdem!) sondern auch die Unentschlossenheit Einzug gehalten. Es scheint nämlich so, als könnten sich die ersten Sonnenanbeter in den innerstädtischen Schanigärten nicht entscheiden zwischen T-Shirt und Daunenjacke, zwischen Eiskaffee und heißer Schokolade. Auch ein älterer Herr weiß nicht so recht, ob er den freien Platz neben vier bärtigen Typen einnehmen oder doch lieber einen anderen suchen soll. Anscheinend wirken vier junge Männer mit einer mehr oder weniger stark ausgeprägten Gesichtsbehaarung ziemlich bedrohlich. Und dabei wollen wir doch nur spielen, zumindest – mich ausgenommen – Musik spielen. Meine drei Gesprächspartner verkörpern aber keineswegs gefährliche Hardcore-Rocker. Vielmehr müsste man das „gefährlich“ durch ein „gefühlvoll“ ersetzen, denn die Jungs von EORA mischen seit August 2016 die österreichische Musikszene mit Acoustic-Rock-Songs auf. Drei von fünf Bandmitgliedern nehmen sich an diesem Freitagnachmittag die Zeit, um mit mir über erste Erfolgserlebnisse in der noch jungen Bandgeschichte und die Faszination an der Musik zu sprechen.

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Der komplette EORA-Stamm. Foto: Jasmina Dzanic

Dabei sind Benny und die beiden Julians, die mir gegenübersitzen, keine Unbekannten am heimischen Musikmarkt. Mit der Pubertät wuchs bei ihnen scheinbar nicht nur das Körperhaar, sondern auch die Liebe zur Musik, denn mit 14-15 Jahren waren bereits alle drei fester Bestandteil einer Band. Julian K. war Vocalist und Gitarrist bei der Deutschlandsberger Band [insert:sound], Julian D. schaffte mit First Class College sogar den Sprung in die Charts und Benny sorgt seit einigen Jahren mit So Far From Home für Alternative-Rock-Musik in unseren Ohren. EORA (Roman Rupp und Dominik Steinklauber komplettieren die Gruppe) heißt ihr neues Bandprojekt, das sie nach einer einjährigen Planungsphase im Sommer 2016 einer breiten, musikaffinen Öffentlichkeit vorgestellt haben. „Wir kommen aus unterschiedlichen Stilrichtungen und verschiedenen Bands, aber man merkt, dass sich jeder Gedanken macht, jeder etwas zu EORA beitragen will. Genau diese Mischung macht das Projekt besonders“, so Benny, der in grauer Vorzeit die Waldorfschule besucht hat und seinen Namen tanzen könnte. (Sorry, aber das musste einfach rein …) „Jeder geht einen Schritt zum anderen und seiner Musikrichtung. Einerseits schaffen wir Texte und Melodien, die gut ins Ohr gehen, andererseits setzen wir trotzdem eigene Akzente. Das ist das, was uns als Band ausmacht“, schließt Julian D. an, der abseits von Bühne und Tonstudio als Volksschullehrer arbeitet. Diese Kombi aus eingängigem Sound und neuen Stilelementen servieren sie uns mit ihrer Debütsingle Counting Seashells. Vor der malerischen Kulisse von Rovinj erzählen bzw. ersingen uns die Burschen in ihrem Musikvideo die Geschichte eines autistischen Jungen und fischen mit poppigen Vocals und Gitarrenriffs in tiefen Zielgruppen-Gewässern. „Bei Konzerten merken wir, dass es den Jungen taugt. Aber nicht nur denen. Wir haben vor einigen Monaten bei einer Lesung gespielt, wo uns 60- oder 70-Jährige nach einer CD gefragt haben, weil’s ihnen so gut gefallen hat“, erinnert sich Julian D. Ein jüngeres Publikum, dem’s „getaugt hat“, feierte bei der Releaseshow von Fall Stories, der ersten EORA-EP, im Grazer p.p.c. „Die Show war der Hammer“, sind sich Benny und Julian K. einig, „es war kein Boden mehr zu sehen vor lauter Leuten.“

Wer sich bis jetzt noch nicht von Netflix oder seinem Tinder-Gspusi hat ablenken lassen, der wird sich schon einige Male gefragt haben, was der Bandname verdammt nochmal zu  bedeuten hat. EORA war ein Stamm der Aborigines, die in der Bucht von Sidney lebten und bedeutet so viel wie „hier“ bzw. „an diesem Platz“. Julian D. erinnert sich noch genau an die Namensfindung: „Wir haben lange herumüberlegt, bis wir zu dem Entschluss gekommen sind, dass ein Stammname ganz cool wär. Das passt einfach zu unserer natürlichen Musik“.  Als Fünf-Mann-Stamm sehen sich auch unsere Burschen. „Bei Bands ist es immer ganz wichtig, dass die Menschlichkeit passt. Es bringt nix, wenn du die besten Musiker um dich hast, dich aber nicht mit ihnen verstehst. Bei uns hat das auf Anhieb super gepasst“, meint Julian D., der ein zustimmendes Nicken seiner beiden Bandkollegen erntet. Gegenseitiger Respekt bedeutet zum Glück nicht, dass sich die Musiker untereinander nicht auch hier und da auf den Arm nehmen, was unsere Unterhaltung wahnsinnig angenehm und die Protagonisten extrem sympathisch macht. Meine Frage nach der Existenz von Groupies wird zwar verneint, wobei Julian K. sich eine Anspielung auf seinen Namensvetter und Bandkollegen, Julian D., nicht verkneifen kann: „Er ist eher so der Typ für Groupies. Das macht wahrscheinlich der Bart.“

Grund zum Lachen und zur Freude beschert den Jungs von EORA auch der Verlauf ihrer bisherigen Musikkarriere. „Das Feedback bis jetzt ist sehr, sehr positiv. Sicher ist noch Luft nach oben, aber nach dem geglückten Release unserer EP können wir uns jetzt auf neue Songs konzentrieren“, meint Julian D. mit Blick auf die Zukunft. Einen ersten musikalischen Etappensieg konnten die Musiker dank des kleinen Nachbarn von Julian D. bereits erzielen. „Das Kind meiner Nachbarin will nur noch unsere Platte im Auto hören. Früher ist der Gabalier in Dauerschleife gelaufen. Den haben wir schon abgelöst.“

Ihre Namen sind Benny Bachler, Julian Koch und Julian Davis alias EORA. Sie sind jetzt Teil der Spritzweinjugend.

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