Zwischen Posen und Posten: Die Grazer Insta-Queen

Es ist eine Art Hassliebe zwischen mir und den ersten richtig warmen Tagen, an denen Frühling und Sommer ein Gspusi miteinander haben. Einerseits saugeil, weil man endlich wieder seine strahlendweißen Nikes aus dem Keller holen kann, andererseits ziemlich nerven- bzw. nasenaufreibend für Allergiker wie mich. Wahrscheinlich wäre ein Indoor-Treffpunkt wohl doch besser für das heutige Spritzweinjugend-Gespräch gewesen. Rinnende Nase hin oder her. Da ich wie immer überpünktlich vor Ort bin, bleibt mir noch eine Viertelstunde, um mir auf der Terrasse des Promenade einige Fragen durch den Kopf gehen zu lassen. Wie sind sie eigentlich, diese Bloggerinnen? Was treibt sie an, diese Grazien, die mit jedem Post nach Perfektion streben und jedes Instagramm auf die Goldwaage legen? Wie schmal ist der Grat zwischen Selbstinszenierung und Mehrwert für die Leserinnen und Leser? Aber allen voran: Warum hab’ ich nicht noch mehr Taschentücher eingepackt?
Naja, zum Glück bin ich nur gegen Pollen und nicht gegen schöne, erfolgreiche Frauen allergisch. Das würde das heutige Interview nämlich ziemlich schwierig gestalten. Ziemlich unkompliziert und herzlich gestaltet sich hingegen die Begrüßung mit einer der erfolgreichsten Grazer Fashion-Bloggerinnen, die mir im Spritzweinjugend-Interview Antworten auf obige Fragen liefert.

Bei einigen meiner Fragen muss sie im ersten Moment lächeln, fasst sich an die Haare und überlegt ihre Antworten gründlich. Man merkt ihr an den ersten Sätzen an, dass sie ein klein wenig nervös ist. Müsste sie, die Instagram-Beauty mit knapp 38.000 Followern, doch nicht sein – oder? „Ich bin offline keineswegs die extrovertierte Poserin, die sich immer im Mittelpunkt sehen will, im Gegenteil. Ich bin in der Schule immer in der letzten Reihe gesessen und war eher zurückhaltend. Durch das Bloggen bin ich kein anderer Mensch geworden und bin nach wie vor aufgeregt und ein wenig unsicher vor Interviews.“ Kleine Unsicherheiten können überhaupt erst der Grund sein, warum die Modeverkäuferin ein neues Foto auf ihrem Instagram-Channel oder ihrer Website postet und so mit ihren Fans in den Diskurs tritt. „Ich würde mich keineswegs selbst als Modeexpertin bezeichnen. Hinter manchen Outfit-Posts steckt für mich immer die Frage ‚Sieht das überhaupt gut aus?’ Mein Online-Auftritt soll so also nicht nur Inspirationsquelle für Userinnen und User sein, sondern durch Kommentare und Likes auch eine Art Wegweiser für mich selbst.“ Abseits von „liken und geliked werden“ ist die Grazerin durch und durch Familienmensch und könnte sich momentan nicht vorstellen, ihre Heimatstadt zu verlassen. Auch nicht, wenn sie in einer größeren Stadt eine steilere Blogger-Karriere erwarten würde? „Freunde und Familie sind mir wichtiger als meine Plattform. Ich bin hier in der realen Welt zuhause und nicht online. Der einzige Grund, warum ich weggehen würde, wäre ein Studienplatz für Modemanagement in Deutschland.“

Ich bin überrascht, wie viel Mensch hinter so einer Internet-Beauty steckt. Und da bin ich nicht der Einzige. So kann es durchaus vorkommen, dass die 20-Jährige in der Grazer Innenstadt zu hören bekommt: „Ich hätte nicht gedacht, dass du wirklich echt bist.“ Auf offener Straße angesprochen zu werden, ehrt sie zwar, ist für die Bloggerin aber nicht das größte Highlight seit dem Start ihres Projekts im Februar 2015. „Zu den schönsten Momenten in meiner Blogger-Laufbahn würde ich ein Interview mit Radio Steiermark zählen oder die Kooperationen mit Murpark und Hunkemöller. Allerdings darf man solche Projekte nicht unterschätzen, da man viel Zeit investiert und die ‚Leistung’ auch dementsprechend gut sein muss. Aber was gibt es im Endeffekt Schöneres, als mit der Arbeit, die einem Freude macht, auch ein wenig Geld zu verdienen?“ Mittlerweile suchen einige Unternehmen den Kontakt zu der 20-jährigen Grazerin und schicken ihr Kleidung oder Beauty-Produkte. Getragen bzw. getestet wird aber nicht alles, sondern nur, was ihr selbst auch wirklich gefällt. „Ich vertrete nur Produkte, die ich selbst gut finde und nehme deshalb auch nicht alles an, nur um damit Geld zu verdienen.“

Trotz dieser menschlichen Herangehensweise ist die junge Grazerin nicht vor Kritik gefeit, was sie in den ersten Monaten nach dem Start ihres Blogs zum Zweifeln brachte. „Ich hab auf meiner Website einmal einen Beistrich vergessen, woraufhin mir ein User eine Mail mit der Erklärung zur gesamten Beistrichsetzung geschickt hat. Anfangs hab ich so etwas leider viel zu persönlich genommen und mich gefragt: ‚Sarah, warum tust du dir das an?’ Mittlerweile bin ich auch dankbar für die negativen Erfahrungen, denn man lernt sehr viel dazu, was den Umgang mit Kritik betrifft. Alles in allem würde ich aber sagen, dass das Bloggen kein Zuckerschlecken ist.“
Zwei Jahre Blogger-Erfahrung sind für die 20-Jährige allerdings noch nicht genug. Wie lange sie ihre Follower noch an Outfitwahl, Citytrips und Co. teilhaben lässt, kann sie nicht genau sagen. „Solange ich noch jung bin und keine Falten hab, werd ich es weiterhin machen … Sonst wird’s halt ein Oma-Blog.“ Na dann bin ich gespannt, ob ich sie in einigen Jahrzehnten im Altersheim zum Spritzweinsenioren-Interview treffen darf.

 

Ihr Name ist Sarah Paier. Sie ist jetzt Teil der Spritzweinjugend.

 

Kontakt:

Sarah Paier – Blog

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3 Gedanken zu “Zwischen Posen und Posten: Die Grazer Insta-Queen

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