Weil Kleine große Herzen brauchen: Marcel Resch

Große, weiße Betonklötze vermitteln einen Eindruck von Freundlichkeit, wollen willkommen heißen, obwohl man hier überhaupt nicht willkommen sein möchte. Zwischen diesen einschüchternden Bauten schlängeln sich gepflasterte und begrünte Wege, auf denen Menschen wandern, deren Lebenssituationen im gleichen Moment unterschiedlicher nicht sein könnten. Patienten, Besucher, Studenten, Bauarbeiter, Ärzte und ich. Wir alle versammeln uns an diesem viel zu heißen Junitag am Gelände des LKH-Universitätsklinikum Graz. Lange musste ich mit der 7er-Bim nicht mehr an diesen Ort fahren – und das ist gut so. Vor vier Jahren saß ich fast täglich hier im Schatten der Gebäudekomplexe und schnappte nach Luft, wenn mir die Enge der Krankenhausgänge jegliche genommen hatte. Im Mai 2013 bekamt mein Vater eine Diagnose gestellt, im Juli darauf konnte ich ihn ein letztes Mal besuchen. Krebs ist eine Scheißkrankheit. Wenn jetzt noch junge Menschen, die ihr Leben noch nicht ansatzweise gelebt und keine Kinder bekommen haben, die noch nie auf einem Gipfel oder am Meer waren, die Diagnose Krebs gestellt bekommen, dann ist das einfach nur beschissen und unfair. Umso bewundernswerter ist es, wenn sich andere, gesunde Menschen für das Schicksal dieser Kinder und Jugendlichen einsetzen. Unser neues Spritzweinjugend-Mitglied tut das in seiner Freizeit seit mehr als vier Jahren. Wir sitzen mittlerweile in einem Café am LKH-Gelände und sind mitten in unserem Gespräch über den Tod, das Leben und die Freude am Helfen.

Diesem Helfen verleiht mein 24-jähriger Gesprächspartner seit 2013 enorme Professionalität, organisiert er doch regelmäßig Events, deren Erlös benachteiligten und krebskranken Kindern in der Steiermark zugutekommt. Durch sein Engagement und seine Hartnäckigkeit machte sich der gebürtige Südsteirer schnell einen Namen in der österreichischen Charity-Szene und kann inzwischen auf ein breites Unterstützernetzwerk bauen. Neben zahlreichen Sponsoren und Gönnern unterstützen auch Prominente wie z.B. Ex-Skispringer Lukas Müller oder ORF-Moderatorin Verena Scheitz den 24-Jährigen und seinen Verein Steirer mit Herz, den er 2016 gemeinsam mit zwei Grazerinnen ins Leben gerufen hat.

„Im kleineren Rahmen hat mein Einsatz schon 2013 begonnen, aber dann hat die Welle der Hilfsbereitschaft von außen immer größere Ausmaße angenommen und wir haben den Verein gegründet, um noch professioneller und unkomplizierter helfen zu können.“ Dieser „kleine Rahmen“, von dem mein Gegenüber spricht, war gar nicht so klein. Vor etwas mehr als vier Jahren setzte er sich für den Bau einer Krankenstation in Brasilien ein. Er hielt um die 40 Vorträge und verkaufte Papayasamen, wodurch er mehrere Tausend Euro sammeln und diese gemeinsam mit einer österreichischen Delegation in Brasilien übergeben konnte. Als „äußerst prägend“ beschreibt der angehende Betriebslogistikkaufmann (aktuell 2. Lehrjahr am LKH Graz) diese Erfahrung, die (leider) nicht der einzige Anstoß für seine karitative Tätigkeit war. Während seiner Reise nach Südamerika verstarb zuhause ein guter Freund des heute 24-Jährigen an Krebs. „Ich habe davon erst bei meiner Ankunft in Österreich erfahren, konnte mich also nicht mehr von ihm verabschieden. Daraufhin habe ich ein Benefizkonzert organisiert und die gesammelten Spenden dann der Kinderkrebsstation übergeben. Ab diesem Zeitpunkt bin ich richtig in die ‚Materie Helfen’ gerutscht und hab gewusst, dass ich mich für Kinder mit Krebs einsetzen und stark machen möchte.“ Dieser Einsatz zeigt sich seither in vielen Facetten. Eine Benefizgala im Grazer Operncafé oder die Veranstaltung „Schnipp Schnapp – Haare ab“ sind nur zwei von etlichen Events, die unser neues Spritzweinjugend-Mitglied realisiert hat. Während wir von letzterer Veranstaltung sprechen, erzählt er mir von „schönen, lustigen, aber auch traurigen Momenten“, die sich am 24. April 2017 im Salon von Dieter Ferschinger zugetragen haben. Um Kindern und Jugendlichen ein Stück Selbstvertrauen zurückzugeben hat der Mann hinter dem Verein Steirer mit Herz das Charity-Haarschneiden ins Leben gerufen. Künstler, Musiker, Missen und Vertreter aus Politik ließen es sich nicht nehmen, ihre Haare zu spenden, damit daraus Echthaarperücken für kranke Kinder hergestellt werden können.

Ich bin beeindruckt von seinem Engagement, stelle mir aber gleichzeitig die Frage, ob es nicht zehrt und belastet, wenn man dauerhaft mit kranken Kindern und deren Schicksal zu tun hat. „Ich lerne alle Kinder und Familien, denen wir helfen, persönlich kennen. Natürlich baut man da eine Bindung zu den Kindern auf. Wenn es ihnen zwischenzeitlich schlechter geht, nimmt mich das natürlich mit, aber ich versuche, mir die schönen Momente mit ihnen in Erinnerung zu rufen. Ich schaffe es zum Glück immer wieder, für einige Stunden abzuschalten und kann so neue Kraft für den nächsten Einsatz sammeln.“

Er nützt diese eigene Kraft und gibt sie an kleine Kämpfer weiter, die sie für ihren Kampf gegen den Krebs dringend benötigen.

 

Sein Name ist Marcel Resch. Er ist jetzt Teil der Spritzweinjugend.

 

Kontakt:

Marcel Resch auf Facebook

Verein – Steirer mit Herz

 


Weil Kleine große Herzen brauchen ist eine mehrteilige Spritzweinjugend-Porträtreihe über junge Menschen, die in ihrer Freizeit karitativ tätig sind. Alle Protagonisten dieser Reihe wählen unterschiedliche Zugänge zum Thema Charity, haben aber eines gemeinsam: Sie engagieren sich für kranke oder bedürftige Kinder und Jugendliche.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s