Design oder Nichtsein – Ein Leben für die Mode

Man muss nicht unbedingt Gott sein, um einen Rosengarten zu erschaffen, um den sich sanft die Wellen einer Meeresströmung schmiegen. Es reicht – so meine Erkenntnis an diesem feuchtschwülen Sommerabend im Grazer Stadtkern – Kreativität, Durchsetzungswillen und vielleicht auch ein bisschen Mut zu vereinen, um die erwähnte Paradieslandschaft aus Rosen- und Meerdesigns zu erschaffen. Ein Modeparadies in der Münzgrabenstraße 5. Dort sitzen der „Schöpfer“ dieser Kreationen und ich inmitten von Shirts, Kleidern und Taschen auf einem hellen Stoffsofa mit Pölstern aus schwarzem Leder, verziert mit Rosenprint und goldenen Reißverschlüssen – designed by ihm, einem 24-jährigen Steirer, dem die Affinität zum Design schon in die Wiege bzw. die Legokiste gelegt wurde. Während wir anderen Kinder versucht haben, immer höhere Türme und immer ausgefallenere Häuschen mit den bunten Bausteinen zu basteln, hat sich mein heutiger Gesprächspartner im Alter von zehn Jahren hingesetzt und begonnen, den Legomännchen eine Identität zu geben. „Alles hat damit angefangen, dass ich Skianzüge auf die Männchen gemalt hab’, da es damals keine Lego-Skifahrer zu kaufen gab. Später hab’ ich dann Formel 1 Matchbox-Autos bemalt und ihnen einen eigenen Look gegeben.“

Den Menschen einen neuen, frechen Look zu verleihen, das hat sich der junge Designer Jahre später nach HAK-Matura und Zivildienst zur Aufgabe gemacht. „Ursprünglich wollte ich mich im Bereich Grafikdesign festsetzen, hab’ dann aber schnell gemerkt, dass diese virtuelle Form des Designs nicht das ist, was mich erfüllt. Ich wollte etwas erschaffen, dass man angreifen, fassen kann und hab’ mich schließlich für die Mode entschieden.“  2013 startete er das viersemestrige Modekolleg in Graz und konnte von da an echte Modelle und nicht nur Legofiguren in seine Ideen aus Stoff und Kunstleder hüllen. Nach einem Praktikum bei der schwedischen Designerin Ida Klamborn schloss er zwei Jahre später das Kolleg ab und war bereit, durch eigene Kreationen das Grazer Stadtbild zu prägen. „Für mich war es nicht vorstellbar, den ganzen Tag nur nach Auftrag zu nähen. Ich wollte selbst etwas erschaffen und es dann auch selbst verkaufen“, so der 24-Jährige auf die Frage, warum er sich für die Gründung eines eigenen Labels entschieden hat. Heute, knapp zwei Jahre später, war es die richtige Entscheidung, das Risiko der Selbstständigkeit auf sich zu nehmen und mit MED (Manuel Essl Design) in der österreichischen Modeszene aufzupoppen. Seine erste Kollektion Roses Never Fade traf mit knalligen Rosenprints und Lederakzenten den Nerv der Zeit und bescherte ihm im April 2016 einen Auftritt im ORF-Vorabendprogramm. Obwohl die TV-Präsentation der ersten Kollektion zweifelsohne ein Highlight in seiner noch jungen Designkarriere darstellt, war es für den 24-Jährigen kein Grund, sich auf den verdienten Lorbeeren auszuruhen. Kurze Zeit später folgte mit SEA die zweite MED-Kollektion. Inspiriert von den Wellen einer Meeresströmung entstanden Röcke, Kleider und Handyhüllen in kräftigen Blautönen versetzt mit bunten Meerestier-Patches. Aktuell arbeitet mein Gesprächspartner gemeinsam mit seiner Freundin und Mitarbeiterin Liesa an der dritten Kollektion namens MEDley. Wie der Name schon sagt, ein Mix aus verschiedenen Designansätzen, die im Kern aber alle etwas gemeinsam haben: Die lokale Produktion (alle Kleidungsstücke werden in Graz gefertigt) und die Liebe zum Detail. Eine Kombination, die auch die dänische Songcontest-Gewinnerin Emmelie de Forest (2013 siegte sie in Schweden mit Only Teardrops) begeistert. Bei der diesjährigen Grand Euro Party vor dem Songcontest in Kiew trug die 24-jährige Sängerin ein Kleid aus der Roses Never Fade Kollektion. Auch in Zukunft möchte der Jungdesigner Prominente kontaktieren und ihnen seine Kleidungsstücke, die High Fashion und Streetwear vereinen, anbieten.

„Die größte Hürde für einen jungen Designer ist es, Bekanntheit zu erlangen. Emmelie de Forest hat uns sehr geholfen und ich hoffe, dass es so weitergeht und MED ein echter Name in der Branche wird.“ Ein wichtiger Schritt, um die Bekanntheit zu steigern, war die Eröffnung des Showrooms im vergangenen Juni. Fünf Monate lang hat das MED-Team Zeit und Herzblut in die Gestaltung der Räumlichkeiten in unmittelbarer Nähe zum Dietrichsteinplatz investiert – mit Erfolg. Auch wenn man – so wie ich – eigentlich nichts kaufen will, fühlt man sich schnell wohl in dem lichtdurchfluteten Showroom. Während House-Musik aus den Lautsprechern groovt, frage ich mein Gegenüber nach seinen Zukunftsplänen. „Mein größter Gegner ist aktuell die Zeit. Obwohl ich bis zu 70 Stunden in der Woche arbeite, hab’ ich im Moment nicht genügend Zeit, all meine Ideen umzusetzen. Aber spätestens ab Herbst werden wir uns dann einer größeren Kollektion für die Sommersaison 2018 widmen.“ Ich bin gespannt. Also, bis dann. Baba Rosengarten, baba Meer, baba junger Designer – du hast mich schwer beeindruckt.

 

Sein Name ist Manuel Essl. Er ist jetzt Teil der Spritzweinjugend.

 

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