Von Pandas und Paintings: Die Kärntner Make-up-Queen

Zeit meines Lebens von den gröbsten pubertären Pickelplagen verschont geblieben, bin ich nie in Versuchung gekommen, mir irgendetwas anderes als Rasierschaum (und das auch schon seit drei Jahren nicht mehr) ins Gesicht zu schmieren. Deshalb hätte ich nie gedacht, dass ich mich jemals mit einer Frau, die noch dazu nicht meine Frau ist, zwei Stunden lang über Schminke unterhalten werde.

Oh yes, Schminke. Von uns Männern einerseits geliebt, weil es Frauen meist noch schöner macht und ein Lippenstift am Hemdkragen zum Angeben vor Kumpels immer geht, und andererseits verflucht, wenn sich Dosen und Tuben am Waschbeckenrand türmen und man(n) verzweifelt seine Zahnbürste im Schminkdschungel suchen muss. Aber Make-up kann noch viel mehr sein als Verschönerungskleister mit Ablaufdatum oder nerviges Beiwerk für Männer, die Frauen lieber ohne Farbe im Gesicht sehen. Make-up kann Menschen auch sehr schnell sehr bekannt machen. Meiner heutigen Gesprächspartnerin ist das im Land hinter den sieben Bergen (aka Kärnten) gelungen. Mit MAKE-UP BY TAMMY hat die Villacherin eine Marke geschaffen, die auch fern der Kärntner Landesgrenzen Schminkwillige und solche, die es werden wollen, begeistert. Aber nicht ein Produkt oder etwa ihr Logo mit den fetten Initialen M und T sind Markenzeichen des Unternehmens. Die 24-jährige Gründerin selbst verkörpert ihre Marke 24/7. In der Öffentlichkeit wird sie längst nicht mehr mit ihrem richtigen Namen angesprochen, sondern schlichtweg „die Make-up Tammy“ genannt – und das war seit der Unternehmensgründung 2015 auch ihr erklärtes Ziel, wie sie mir an diesem trübgrauen Nachmittag im Café Freiblick versichert. Heute ist sie eine von Kärntens ersten Adressen, wenn es um Make-up-Styles oder Face Paintings geht.

Seit 2015 ist die 24-jährige Kärntnerin gern gesehener Gast bei Shootings in ganz Österreich. © MAKE-UP BY TAMMY
Seit 2015 ist die 24-jährige Kärntnerin gern gesehener Gast bei Shootings in ganz Österreich. © MAKE-UP BY TAMMY

Und dabei hat alles vor über zehn Jahren so beschaulich begonnen – mit der Verwandlung in einen Panda. Ein einfacher schwarzer Buntstift – schminkversierte sagen auch Kajal dazu –, den sie sich rund um ihre beiden 13-jährigen Augen gemalt hat, war der Auslöser für die heutige Schminkleidenschaft der 24-Jährigen. „Nachdem ich diesen Schminkstift in die Hände bekommen hab’, hab’ ich ihn bis zur Unendlichkeit benutzt. So wie heute hatte ich auch damals schon mehr Farbe im Gesicht als die anderen“, erinnert sich meine Gesprächspartnerin, lacht und verleitet mich zu einem prüfenden Blick in ihr Gesicht. Egal, ob Wangen, Lippen oder Augenpartie: Alles glitzert, funkelt und glänzt wie die Regenbogenstrecke bei Mario Kart. Sich selbst zum Strahlen und Funkeln zu bringen, war der Kärntnerin im Jahr 2015 aber nicht mehr genug. Parallel zu ihrem Job in einer Kärntner Parfümerie ließ sie sich im steirischen Graz zur diplomierten Make-up-Stylistin ausbilden und legte damit den ersten Grundstein – oder wie meine Gesprächspartnerin sagen würde: die Foundation – für ihr eigenes kleines Schminkimperium. Heute, zwei Jahre später, pendelt sie als Make-up Tammy zwischen den österreichischen Shooting-Locations und verwandelt Männlein und Weiblein in Gesamtkunstwerke ebenso wie in furchterregende Fantasiewesen.

Ihren Erfolg verdankt die selbstbewusste, junge Frau ihrem ganz speziellen, humorvollen Zugang zum Thema Make-up. Anders als ihre „Konkurrentinnen“ im Netz, setzt sie sich nicht vor eine Webcam und preist in Fake-Hochdeutsch gesponserte Produkte an, sondern zeigt in perfektem Kärntnerisch, wie Frau sich mit einem Kondom schminkt oder hält eine Brandrede zum Thema Respekt und Akzeptanz. In ihren Postings und Videos ist sie nicht nur verdammt authentisch, sondern bringt mit ihrer Mischung aus Charme und Scheiß-dir-nix mehrere Tausend Menschen zum Lachen. Dieser Rampensau-Instinkt schlummert schon lange in der 24-Jährigen, wie sie mir schmunzelt versichert: „Mir war eines von Anfang an klar und wichtig: Ich wollte immer anders sein als der Rest. So wie in der Schule wollte ich um jeden Preis auffallen – und wenn es nur ein Glitzerstein mehr war als bei allen andern. Irgendwie gehör ich schon auf die Bühne, denn mir macht es nichts, mich vor Menschen zu präsentieren und klipp und klar meine Meinung zu sagen.“

Vor ihrer ständig wachsenden Community aus über 3.000 Facebook- und 7.000 Instagram-Fans präsentiert sie sich allerdings nicht nur als „Make-up Tammy“, sondern anlassbedingt auch als Schlange, Roboter, Reh, Mickey Mouse, lebendes Skelett und allen voran als Adelheid. Das 70-jährige Alter Ego der 24-Jährigen betrat im Fasching 2017 zum ersten Mal die Facebook-Bühne und begeisterte über 10.000 Personen mit einem fast perfekten Schauspiel – zittrige Stimme, gebückte Haltung und Perlenkette am Hals inklusive. Nach ihrer Verwandlung in die alte Dame mit Chanel-Jäckchen wurde meine Interviewpartnerin besonders häufig auf den Kärntner Straßen angesprochen, was sie zu einem weiteren Adelheid-Video veranlasste. Aber nicht nur als Greisin wird die 24-jährige in der Öffentlichkeit erkannt. „Mittlerweile kommen Menschen in ganz Österreich auf mich zu und sprechen mich an. Sogar in einem Wiener Einkaufszentrum wurde ich schon nach Selfies und Schminktipps gefragt. Solche Treffen ehren mich wahnsinnig, denn es zeigt mir, dass ich mit meiner Leidenschaft auch andere Menschen begeistern kann.“

Wundert mich nicht, besticht mein Gegenüber doch auch im echten Leben durch eine wahnsinnig liebenswürdige, kumpelhaft-lässige Art. Sie hat mich in diesen zwei Stunden zwar nicht für Make-up begeistern können, aber für ihre Vision, mit einer authentischen Scheiß-dir-nix-Haltung auch die schminkunwilligen Herzen des Landes zu gewinnen.

 

Ihr Name ist Tamara Moritz. Sie ist jetzt Teil der Spritzweinjugend.

 

Kontakt:

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